Varoufakis über Merkel: Was er wirklich gesagt hat und wie BILD es verdreht

Vorgestern veröffentlichte die deutsche Boulevardzeitung BILD ein Interview mit DiEM25-Mitbegründer Yanis Varoufakis zum Thema der griechischen Schuldenkrise und Angela Merkels Erbe.

In typischer Manier reproduziert Bild dabei die üblichen Lügen und Verleumdungen über Varoufakis‘ Zeit als griechischer Finanzminister im Jahr 2015 und fand auch ein paar unschöne Worte über ihn persönlich.

Yanis Varoufakis – und wir alle bei DiEM25 – tragen diese Worte mit Stolz, da sie von einem Medium stammen, das notorisch verlogen, rassistisch, sexistisch und sensationslüstern ist und, wie kürzlich von der New York Times aufgedeckt, in einer von Sexismus durchdrungenen Kultur geführt wird.

Da Varoufakis‘ Antworten stark bearbeitet wurden, haben wir uns entschlossen, sie im Folgenden vollständig wiederzugeben.


BILD: Werden wir unser Geld jemals zurückbekommen?

Yanis Varoufakis: Wenn Sie zu den deutschen oder griechischen Oligarch:innen gehören, die immens vom Rettungspaket des griechischen Staates profitiert haben, haben Sie bereits gigantische Renditen erhalten – und Sie werden in Zukunft noch mehr erhalten. Wenn Sie aber ein:e deutsche:r oder griechische:r Arbeiter:in oder Mittelständler:in sind, werden Sie zahlen, und zahlen und zahlen …

BILD: 2015 sagten Sie uns, es sei dumm, all diese Milliarden in ein schwarzes Loch zu werfen. Denken Sie heute noch genauso?

Yanis Varoufakis: 2015 lag das griechische Nationaleinkommen bei 175 Milliarden Euro, während die Staatsschulden 309 Milliarden Euro betrugen. Damals habe ich Ihnen gesagt, dass das neue Rettungsdarlehen in das schwarze Loch des sich verschlimmernden Bankrotts Griechenlands fallen würde. Während wir hier sprechen, liegt das griechische Nationaleinkommen bei 168 Milliarden Euro (selbst nach einer guten Tourismussaison), während sich die Schulden unseres Staates auf 400 Milliarden Euro zubewegen. Ich fürchte, ich hatte Recht.

BILD: Ihre letzten Worte an Merkel und Schäuble: „Frau Merkel, Herr Schäuble, um es mit Tacitus zu sagen: Sie haben es geschafft, Griechenland in eine Wüste zu verwandeln, und dann haben Sie es Frieden genannt.“ Wer hatte am Ende Recht? Sie oder er?

Yanis Varoufakis: Merkel hat ihr enormes politisches Kapital vergeudet, um ‚business as usual‘ aufrechtzuerhalten, solange sie Kanzlerin war, und hat ihren Nachfolgern ein Chaos hinterlassen. Schäuble folgte einem guten Instinkt, als er einen drastischen Wandel (Grexit) befürwortete, hatte aber weder einen Plan, wie er diesen erzwingen konnte, noch für das, was danach kommen würde. Kurzum, beide lagen falsch, jeder auf seine Weise.

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