Israels Massaker an den Geflüchteten von Rafah: Ein weiteres abscheuliches Kriegsverbrechen

Gerade als wir dachten, es gäbe nichts noch Abscheulicheres in diesem völkermörderischen Krieg gegen Gaza, hat Israel mit der Bombardierung von Rafah, bei der Dutzende Menschen getötet wurden, noch tiefere Abgründe der Grausamkeit erreicht. Wann wird dieser Wahnsinn enden?

Es war einer der abscheulichsten Angriffe auf palästinensische Zivilisten in jüngster Zeit. Am Montag bombardierten israelische Streitkräfte ein Zeltlager, in dem Vertriebene in einer ausgewiesenen Sicherheitszone im Norden Rafahs untergebracht sind. Dabei wurden mindestens 45 Palästinenser, zumeist Frauen und Kinder, getötet und Hunderte weitere verletzt.

Medienberichten zufolge beschoss Israel das Zeltlager, in dem palästinensische Flüchtlinge in Zelten untergebracht waren, mit sieben massiven US-Bomben, die jeweils zweitausend Pfund wogen. Die bombardierten Flüchtlingszelte, die als Block 2371 bezeichnet werden, waren von Israel als „sichere Zone“ für Zivilisten ausgewiesen worden.

Ein weit verbreitetes Filmmaterial zeigt eine Nacht des unbeschreiblichen Grauens: Zu Asche verbrannte, verkohlte und bis zur Unkenntlichkeit geschwärzte Körper; ein von amerikanischen Bomben enthauptetes und zerfetztes Kind; Eltern, die ihre toten und verbrannten Kinder umarmen und vor Entsetzen schreien; Retter, die verkohlte Überreste von Menschen aus brennenden Zelten bergen; Verletzte, die mit schrecklichen und grausamen Wunden ins Krankenhaus gebracht werden. Schreckliche Bilder zeigen einen Mann, der die Leiche eines offenbar geköpften Kleinkindes hochhält.

Unter Berufung auf den Palästinensischen Roten Halbmond (PRCS) berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa, unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder, von denen viele in ihren Zelten „bei lebendigem Leib verbrannt“ seien. Ein Augenzeuge, der im kuwaitischen Krankenhaus in Rafah eintraf, berichtete: „Die Zelte schmolzen und die Körper der Menschen schmolzen ebenfalls.“

Ein entsetzter Arzt, der Zeuge des Gemetzels wurde, sagte: „In all meinen Jahren der humanitären Arbeit habe ich noch nie etwas so Barbarisches, so Grausames, so Unmenschliches gesehen. Diese Bilder werden mich für immer verfolgen. . . . Und sie werden unser Gewissen auf ewig beflecken.“

Das neue Massaker ereignete sich wenige Tage, nachdem der Internationale Gerichtshof (IGH) Israel aufgefordert hatte, seine Militäroffensive in Rafah einzustellen, und kurz nachdem der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) erklärt hatte, er beantrage Haftbefehle gegen führende israelische Politiker. Als Reaktion darauf hat Israel Rafah mit einer noch nie dagewesenen Brutalität bombardiert. Beobachter schätzen, dass Israel die Flüchtlingsstadt seit dem Urteil über hundert Mal bombardiert hat. Jeremy Corbyn, der ehemalige Vorsitzende der britischen Labour-Partei, bezeichnete die israelische Bombardierung des Lagers Rafah als „monströses Versagen der Menschlichkeit“.

Das Massaker hat einen weltweiten Aufschrei ausgelöst. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für palästinensische Geflüchtete im Nahen Osten (UNRWA) bezeichnete die Bilder aus Rafah als einen weiteren Beweis dafür, dass der Gazastreifen die „Hölle auf Erden“ ist. Der ehemalige UNRWA-Sprecher Chris Gunness nannte das Massaker „das Größte aller Verbrechen“. 

Ärzte ohne Grenzen erklärte, sie sei „entsetzt“ über den Angriff, der „einmal mehr zeigt, dass es nirgendwo sicher ist“. Die humanitäre Organisation ActionAid zeigte sich „empört und “ über den „unmenschlichen und barbarischen“ Angriff auf das Lager Rafah: „Die Bilder von verbrannten Leichen, die von unseren Partnern kommen, werden eine Narbe im Gesicht der Menschheit und der globalen Gemeinschaft hinterlassen, die bisher versagt hat, die Menschen in Gaza zu schützen.“ Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Wohnen rief zu Maßnahmen gegen Israel auf: „Der Angriff auf Frauen und Kinder, die in ihren Unterkünften in Rafah kauern, ist eine ungeheuerliche Gräueltat. Wir brauchen eine konzertierte globale Aktion, um das Töten Israels Einhalt zu bieten“.

Führende westliche Politiker haben ihr Entsetzen zum Ausdruck gebracht. Josep Borrell, der Chef der EU-Außenpolitik, sagte, er sei „entsetzt über die Nachrichten aus Rafah über israelische Angriffe, die Dutzende von Vertriebenen, darunter auch kleine Kinder, getötet haben“, während der französische Präsident Emanuel Macron sagte, er sei „empört über die israelischen Angriffe, die viele Vertriebene in Rafah getötet haben“. Es ist jedoch nicht sofort klar, ob diese „Empörung“ zu europäischen Sanktionen oder anderen Maßnahmen führen würde, die Israel tatsächlich dazu zwingen könnten, das Töten zu beenden. 

In Rafah leben derzeit 1,4 Millionen vertriebene Palästinenser, die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder, die oft in selbstgemachten Zelten ausharren. Der Angriff auf das Zeltlager in Tal as-Sultan erfolgte kurz nachdem israelische Streitkräfte andere Unterkünfte für vertriebene Palästinenser im Gazastreifen bombardiert hatten, darunter Jabalia, Nuseirat und Gaza-Stadt. Dabei wurden mindestens 160 Palästinenser getötet. Bislang hat Israels Völkermord und Krieg gegen den Gazastreifen geschätzt als mehr sechsunddreißigtausend Opfer gefordert, darunter über fünfzehntausend Kinder. Er hat fast zwei Millionen Palästinenser vertrieben, vor allem nach Rafah, das nun von Israel gnadenlos bombardiert wird. Mehr als achthunderttausend Palästinenser wurden seit der israelischen Bodeninvasion in Rafah wieder gezwungen zu fliehen.

In eklatanter Verletzung internationaler Normen und humanitärer Gesetze handelt Israel im Gazastreifen weiterhin völlig ungestraft, mit westlicher Komplizenschaft und ermutigt durch die bedingungslose militärische und diplomatische Unterstützung der USA. Inmitten der weltweiten Empörung und Verurteilung rufen israelische Führer weiterhin zur totalen Vernichtung des Gazastreifens auf, und Tausende von Israelis haben sich in Telegram-Gruppen angemeldet, die Gräueltaten der israelischen Verteidigungskräfte mit Bildern von verbrannten palästinensischen Kindern  feiern.

Seit mehr als acht Monaten zeigen die Palästinenser im Gazastreifen in Live-Videos ihre täglichen Hinrichtungen und flehen die Welt an, dem Morden ein Ende zu setzen. Doch die westliche Politik schweigt. Stattdessen geben sie nur Plattitüden über Menschenrechte und internationales Recht von sich, während sie sich weigern, Israels erschreckender Barbarei Einhalt zu gebieten, geschweige denn Sanktionen gegen einen völkermordenden Staat zu verhängen; einen Staat, der schamlos gegen völkerrechtliche Urteile verstößt, indem er noch mehr Palästinenser massakriert.

Israels Blutbad in Rafah letzte Nacht markiert einen neuen Tiefpunkt in seiner Grausamkeit gegen die Palästinenser. Jeden Tag wird eine neue Schwelle des Bösen überschritten, und gerade als wir dachten, wir könnten nichts Abscheulicheres mehr sehen, ist Israel noch barbarischer vorgegangen.


Dieser Artikel wurde von Seraj Assi für Jacobin geschrieben

 

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