Wenn die Welt überlebt, wer wird sie dann regieren?

Was die Gewalt, die Gemeinden in Nordafrika verwüstet, und die gescheiterten Treffen auf der COP27 über unsere Zukunft aussagen.

Am 12. November überfielen bewaffnete Männer ein Dorf im Norden Nigerias, wobei mindestens 12 Menschen getötet wurden. Das Massaker ist das jüngste erschreckende Kapitel in einer Reihe von Konflikten, die weitab von den Schlagzeilen der europäischen Zeitungen stattfinden, obwohl sie jedes Jahr Tausende von Menschenleben fordern.

In West- und Nordafrika haben sich die Zusammenstöße zwischen Gruppen von Bäuer:innen und nomadischen Hirt:innen verschärft. Einige dieser Zusammenstöße wurden durch den Klimawandel ausgelöst oder verschärft, der die Hirt:innen zwingen kann, ihre Routen zu ändern und mit den Bauern um Wasser und Land zu konkurrieren, wenn Dürreperioden auftreten. In einem erschütternden Bericht beschrieb Mary Hommes – eine Frau, die im vergangenen Jahr einen Angriff auf ihr Dorf überlebte -, wie sie mit ansehen musste, wie drei Frauen ermordet wurden, als sie neben ihren Babys um ihr Leben bettelten.

Während diese Menschen am 12. November direkt östlich dieser Region im ägyptischen Ferienort Sharm El Sheikh niedergeschossen wurden, versammelten sich die Staats- und Regierungschef:innen der Welt, um auf der von Coca-Cola gesponserten COP27 zu versuchen, dieselbe Klimakrise zu lösen – zwischen Reden, Banketten und Pressegesprächen über die vom Westen finanzierte, brutale Bilanz der Gewalt und Unterdrückung ihrer Gastgeber. Ein genauerer Blick darauf, wer an der Konferenz teilgenommen hat, ist lehrreich.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Ölexporte 30 % ihrer Wirtschaft ausmachen und die im nächsten Jahr Gastgeber der COP sein werden, schickten mit über 1.000 Mitgliedern die größte Delegation nach Ägypten. Die zweitgrößte „Delegation“ ist die globale Industrie für fossile Brennstoffe: 637 Vertreter:innen der Unternehmen, die direkt für die Verbrennung des Planeten verantwortlich sind – und die am meisten zu verlieren haben, wenn wir unseren Kurs ändern – trafen sich hinter verschlossenen Türen mit den Staats- und Regierungschef:innen. Das sind „mehr als die Delegationen der 10 Länder, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, zusammen“.

Vor diesem Hintergrund ist der erste Entwurf des Schlüsseldokuments der Konferenz kein Schock: Es gibt keine Bestimmungen zu dringend benötigten Finanzmitteln für ärmere Länder, um sie bei ihrem gerechten grünen Übergang zu unterstützen. Es gibt keine Wiedergutmachung für den Schaden, der diesen Ländern bereits zugefügt wurde. Und es gibt keine Verpflichtung zu einem vollständigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Tatsächlich lesen sich die Aufzählungspunkte des Textes fast wie eine Parodie auf sorgfältig vage PR-Sprache: Sie „bekräftigen“, „erkennen an“, „nehmen zur Kenntnis“, „betonen“ und „untermauern“. Mehr nicht.

Doch obwohl das Abdrehen der fossilen Brennstoffe ein grundlegender Schritt wäre, um das Überleben des Planeten zu sichern, wird dies allein die Zerstörung von Gemeinschaften im gesamten Globalen Süden nicht abwenden können. Was danach kommt – der grüne Kapitalismus – ist in gewisser Weise genauso gefährlich für Gruppen wie die, die in Afrika unter systematischer Gewalt leiden.

Obwohl viele fossile Brennstoffgiganten weiterhin Öl und Gas fördern werden, solange es ihnen erlaubt ist, hat ein riesiger Teil des privaten Kapitals die Zeichen der Zeit schon vor langer Zeit erkannt und begonnen, nach Ressourcen und Projekten zu suchen, die sicherstellen, dass die Herr:innen und Diener:innen der neuen „grünen“ Weltordnung dieselben bleiben – Projekte, die die Menschen im globalen Süden ausbeuten und vertreiben, um den imperialen Lebensstil des Nordens aufrechtzuerhalten. In Marokko zum Beispiel sind Dürren nicht die einzige Bedrohung für Hirt:innengemeinschaften: Massive Solaranlagenprojekte, die mit ebenso massiven Auslandsschulden finanziert werden, nehmen ihr Land ohne ihre Zustimmung in Beschlag.

Wenn die Menschen im Globalen Norden an die Auswirkungen der Klimakrise denken, neigen sie dazu, Bilder von der Erde heraufzubeschwören, die sich direkt an den Menschen in Form von gewaltigen Naturkatastrophen rächt. Es ist schwer, sich vorzustellen, was sich durch den unersättlichen Appetit des Kapitalismus auf Ausbeutung und Kohlenstoffverbrennung alles verschlechtern wird, aber die Konflikte zwischen Bäuer:innen und Hirt:innen in Afrika lehren uns eine wichtige Lektion. Der Klimawandel wird nicht nur in noch nie dagewesenen Überschwemmungen Menschenleben fordern. Er wird nicht nur ganze Städte und Dörfer in apokalyptischen Stürmen hinwegfegen. Die unsichtbare Hand des Klimawandels wird auch Stück für Stück Menschenleben fordern, und zwar in Formen, die auf den ersten Blick weit davon entfernt erscheinen mögen. Rauben. Plündern. Mütter, die neben ihren weinenden Babys erschossen werden.

Die Erwärmung des Planeten lässt sich nicht mehr verhindern, aber wir können sie begrenzen. Und, was ebenso wichtig ist, die reichsten und schuldigsten Nationen der Erde haben eine Schuld gegenüber Ländern wie Nigeria zu begleichen, damit sie die Menschen unterstützen können, die angesichts der schwindenden Ressourcen entwurzelt werden, und damit sie gewaltsame Kämpfe verhindern können.

Es ist das einzig Richtige, diese Schuld zu begleichen und nicht noch mehr aufzutürmen.

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Melden Sie sich für unser COP OFF! Panel am Samstag, den 19. November, und Sonntag, den 20. November, an, wo wir über die Ideen und Prinzipien sprechen werden, die einen gerechten grünen Übergang leiten müssen. Schalten Sie an beiden Tagen um 18:00 Uhr MEZ live auf YouTube ein und senden Sie uns Ihre Fragen und Kommentare!

Sie können sich auch unseren Entwurf eines Green New Deal für Europa ansehen, der darauf abzielt, die Gemeinschaften, Gewerkschaften, Parteien und Aktivisten des Kontinents hinter einer gemeinsamen Vision von Umweltgerechtigkeit zu vereinen.

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