Weshalb Tiere für den Green New Deal eine Rolle spielen

Wenn es das Ziel ist Hirarchien zu stürzen, sollte man auf das Fundament zielen

Als Teil der libertären Linken kämpfen wir für die Unterdrückten: die Arbeiterklasse, Schwarze, Frauen, Trans-Menschen, Menschen mit Behinderung usw. Und doch haben wir es geschafft einige zu vergessen – und zwar Milliarden von Lebewesen.

Wenn du diesen Artikel liest sind bereits mehr als 350,000 Tiere, nur für Lebensmittel allein, getötet worden. Sie werden nicht nur aus Notwendigkeit gestorben sein, sondern auch wegen der Gier der großen Konzerne.

Im Europa des 21. Jahrhunderts gibt es keine Notwendigkeit mehr Fleisch, Milchprodukte oder Eier zu essen. Warum also steht dann die Abschaffung der Tierhaltung nicht auf den politischen Agenden der heutigen Parteien die sich für den Naturschutz einsetzen?

DiEM25 hat für den Green New Deal für Europa einige Maßnahmen verfasst, die sowohl soziale als auch ökologische Anliegen umfassen. Wenn wir für die Abschaffung von Tierhaltung kämpfen, gehen wir faktisch beides an.

Die Tierhaltung ist für 18 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, das sind mehr Emission als die des gesamten Transportsektors. Das liegt zum Teil daran, dass das Methan, welches in großen Mengen von Kühen in der Milch- und Fleischindustrie produziert wird, schätzungsweise 86-mal schädlicher für das Klima ist als CO2. Während das Trinkwasser zur Neige geht und mögliche Kriege am Horizont stehen, verwendet die Tierhaltung weltweit 20-33% des gesamten Trinkwassers.

Die Massentierhaltungskonzerne heizen die Klimakrise an

Die großen Konzerne sind unmoralisch und die Liste der Greueltaten ist lang: Todeszonen im Ozean, Abrodung der Wälder, rapider Verlust der Artenvielfalt und so weiter. Sie sind verantwortlich für das anzünden der Wälder des Amazonas; es sind bereits 91 Prozent der “Lungen der Erde” zerstört worden.

Die sogenannten “Umweltbewussten”, welche das Privileg behalten wollen, Fleisch aus lokaler Haltung mit Grasfütterung zu haben, werden von einer wegweisenden Studie wachgerüttelt. Die Nachforschungen haben ergeben, dass die negativen Auswirkungen auf das Klima bei Konzernen mit biologischer Haltung der Tiere genauso gravierend sind wie bei konventiellen Betrieben:

„Bei Tieren in der biologischen Haltung wird das Futter nicht importiert, sondern die Tiere grasen auf der Weide. Das heißt jedoch, dass sie weniger Fleisch geben und langsamer wachsen, somit geben sie bis zu Schlachtung mehr Gase ab als die Tiere in konventioneller Haltung. Pflanzen die biologisch angebaut werden sind nur halb so schädlich für das Klima wie konventionell hergestellte, da sie nicht auf chemische Düngunsmittel angewiesen sind. Trotzdem haben alle tierischen Produkte in der Herstellung viel mehr Emissionen als pflanzliche Lebensmittel.“

Zusammen mit der UN stellt der “Chatham House Report” diese drei Punkte für ein zukünftiges Agrarsystem vor:

  1. Übergang zu einer pflanzenbasierten Ernährung: ohne Produkte von Tieren (Fleisch, Eier, Milch, Molkereiprodukte, etc.)
  2. Renaturierung des Landes: die Rückführung von Land in einen wilden Zustand und die Wiederansiedlung von Tieren und Pflanzen, die einst dort lebten
  3. Naturfreundliche Anbaumethoden: Umstellung auf Agroforstwirtschaft, Unterstützung der natürlichen Bestäubung und weitgehender Verzicht auf Chemikalien

Der Bericht legt nahe, dass der zweite und dritte Punkt auf jeden Fall abhängig vom ersten sind, weil wir das Land, welches für die Tierhaltung verwendet wird, zurückverlangen müssen um die Puntke zu erreichen. Es gibt Datenmaterial, welches die Auswirkungen von Fleischverzehr und pflanzenbasierte Ernährung vergleicht. Man kann große Unterschiede erkennen.

Um nur ein paar zu nennen:

  • Es wird 20-mal weniger Land benötigt, um jemanden mit pflanzlicher Ernährung zu ernähren, als jemanden der Fleisch konsumiert.

  • Im Vergleich zu einem Burger mit Fleisch benötigt ein veganer Burger zwischen 75 und 99 Prozent weniger Wasser; 93 bis 95 Prozent weniger Land; und erzeugt 87 bis 90 Prozent weniger Emissionen als ein Burger mit Rindfleisch und braucht bei der Herstellung nur die Hälfte der Energie.

  • Wenn man Fleisch und Milchprodukte aus der Ernährung streicht, kann man den ökologischen Fußabdruck um bis zu 73 Prozent reduzieren.

Hier kommt DiEM25 mit dem Green New Deal für Europa ins Spiel. Wir müssen eine Agentur für Grüne Öffentliche Investitionen (GIN) einrichten, die Europas Ressourcen in grüne Übergangsprojekte kanalisieren wird. Dementsprechend wird das Programm von GIN in pflanzenbasierte Alternativen investieren. Nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus ethischen Gründen.

Selbst wenn Konzerne sogenannte humane Standards befolgen, beinhalten die regulären Praktikten immer noch grausame Methoden: kleine Ferkelchen werden mit einem stumpfen Schlag an den Kopf getötet, ohne Narkose werden die Zähne entfernt, der Ringelschwanz wird beschnitten und männliche Küken kommen lebendig in den Schredder. Infolgedessen sterben innerhalb von drei Tagen mehr TIere, als in der gesamten aufgezeichneten Geschichte Menschen getötet wurden.

Da wir Hirarchien abschaffen wollen, sollten wir Tiere, die ganz unten stehen, mit einbeziehen

In der Tat, um eine etablierte Struktur zum Einsturz zu bringen, sollte man auf das Fundament zielen. Zuerst wachsen Kinder mit der Erfahrung auf, dass das Leben von Ferkeln oder Mäusen keine Rolle spielt. Dann wird ihnen beigebracht, dass für Migrant*innen dasselbe gilt. Ich bin mir sicher, dass es nicht andersherum ist. Die Hirarchie der Herrschaft baut sich langsam auf. Der Homo sapiens sapiens praktizierte die Unterdrückung der Tiere lange bevor er Schwarze in die Sklaverei oder Juden in Konzentrationslager brachte.

Laut zahlreicher wissenschaftlicher Studien korreliert Speziesismus (Vorurteile, die zur Diskriminierung der Tiere führen) mit Rassismus, Sexismus und Homophobie, die wiederum alle miteinander korrelieren. Die Theorie, welche die genannten Dinge unter einen Hut bringt, heißt “Social Dominance Orientation”. Es ist ein Persönlichkeitsmerkmal für Menschen deren Überzeugung es ist, dass Hierarchien etwas sind das gerecht und wünschenswert ist. SDO ist auch stark mit Konservatismus und rechtsgerichteten Autoritarismus verbunden. Überraschung, Überraschung.

Twitter: Alex Jones – „Celebrating Americana with some Red Meat, f-you Obama!“

Da haben wir also auf der einen Seite die Besessenheit der Rechten mit Fleisch, auf der anderen Seite die trivialen Ausreden der Linken. In beiden Fällen sind es die Tiere, die Leiden müssen. Wie Isaac Bashevis Singer gesagt hat: “Aus der Perspektive von Tieren sind alle Menschen Nazis. Für die Tiere ist das Leben ein ewiges Treblinka”.

Anstatt vor dem Wort mit dem “V” davonzurennen (Veganismus), sollten wir uns der Idee annähern, alle Tiere zu schützen. Und Abstand nehmen von jeglicher Lebensweise, bei der Tiere für Nahrung, Kleider oder für andere Zwecke ausgenutzt und grausam behandelt werden.

Wir müssen eine starke Haltung gegen Spezieszismus einnehmen und politische Aktionen zu diesem Thema fördern

Genau wie Ökologie ohne Klassenkampf nur „Gartenarbeit“ ist, sind Menschenrechte ohne die Befreiung der Tiere nur eine Illusion. So etwas wie einen “Ein-Thema-Kampf” gibt es nicht, da wir nicht in einer “Ein-Thema-Welt” leben.

Tiere in den Kreis unseres Mitempfindens einzubinden wird die Suche nach ökonomischer und sozialer Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für alle nicht schmälern. Es wird nur eine weitere notwendige Dimension bringen; eine Dimension für Milliarden von fühlenden Wesen, die lieben können, traurig sein können und glücklich sein können.

Wir haben nichts zu verlieren, aber einen ganzen Planeten zu gewinnen. Es gibt keinen Planet B.

Die Ansichten und Meinungen die hier ausgedrückt werden entsprechen nicht zwangsläufig der offiziellen Politik oder den Positionen von DiEM25.

Quelle der Fotografien: Leah Kelley from Pexels

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