Akamas: Zyperns ökologischer Schatz wird von seiner Regierung angegriffen

Die Halbinsel, die 15 Prozent der Grünfläche der Insel ausmacht, ist zum Ziel privater Investor:innen geworden, begünstigt durch undurchsichtige Sanierungspläne der Regierung, welche die große Artenvielfalt und die Wälder des Gebiets bedrohen

Die Akamas-Halbinsel ist ein einzigartiges Gebiet, nicht nur für die Insel Zypern, sondern weltweit. Sie liegt an der westlichsten Spitze der Insel und ist ein Zufluchtsort für über 200 endemische Vögel und unzählige Arten von Flora und Fauna. Das Gebiet beherbergt auf der Erde einzigartige Arten wie die Unechte Karettschildkröte sowie ein Nistgebiet für das schnellste Tier der Welt, den Wanderfalken, der eine Tauchgeschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern pro Stunde erreicht.

Die Vielfalt des Geländes der Region ist der Grund dafür, dass hier so viele verschiedene Arten von Lebewesen zu Hause sind. Das Gebiet von Akamas besteht aus Hügeln, Schluchten, Buchten, Flüssen und Tälern. Trotz der zerklüfteten Landschaft ist die Halbinsel seit der Antike besiedelt, was sich an den Ruinen von Siedlungen und Tempeln zeigt, die hier noch zu sehen sind. Das Gebiet ist also nicht nur von natürlicher Schönheit und ökologischem Wert, sondern auch von historischer Bedeutung.

In alten Schriften wird Zypern als „Dasoessa“ (waldbedeckte Insel) bezeichnet, was sich auf den Anteil, die Dichte und die Vielfalt der Wälder bezieht, mit denen die Insel bedeckt war. Seitdem haben jedoch Brände, Invasionen und Kriege sowie die Ausbreitung der Viehzucht und später die industrielle und touristische Entwicklung dazu geführt, dass die Waldfläche von 93 % in der Antike auf heute nur noch 18,7 % zurückgegangen ist. Die Waldfläche von Akamas macht etwa 15 % der verbleibenden Grünfläche der Insel aus.

Anerkennung durch UNESCO und Natura 2000

Obwohl allgemein anerkannt ist, dass es sich bei dem fraglichen Gebiet um ein ökologisches Kleinod handelt, werden seit Jahrzehnten Anstrengungen unternommen, es zu untergraben und einzuschränken, um es wirtschaftlich zu nutzen. So wurde die Akamas-Halbinsel zwischen 1987 und 1995 als UNESCO-Biosphärenreservat mit einer Fläche von 23.000 Hektar vorgeschlagen, und zwischen 1998 und 2003 wurde die Akamas-Halbinsel kartiert und zur Aufnahme in das Natura-2000-Netz als besonderes Schutzgebiet mit einer Fläche von 17.690 Hektar vorgeschlagen. Im Jahr 2018 wurde schließlich der Nationale Waldpark von Akamas (7.762 Hektar) in die Natura 2000-Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (SCI) und besondere Schutzgebiete (SPA) aufgenommen. Diese jüngste Entwicklung ist sehr weit von dem Gebiet entfernt, das die einschlägigen wissenschaftlichen Studien als seine tatsächliche Größe angeben, wodurch die den Behörden gemeldeten Arten, die außerhalb des Natura-2000-Gebiets nisten, jagen und leben, täglich gefährdet sind.

Die dubiosen Entwicklungspläne der Regierung

Seit 2018 werden in Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen staatliche Pläne vorgelegt, die spezifische Bestimmungen für die Schaffung von acht Hauptzugängen und 14 Freizeitzentren, den Bau von sieben Erfrischungseinrichtungen und drei Souvenirläden sowie den Ausbau von Waldstraßen und -wegen mit einer Gesamtlänge von 85 km innerhalb des Akamas-Nationalwaldparks und der Natura-2000-Gebiete SCI (CY4000010) und SPA (CY4000023) der Halbinsel enthalten. Gleichzeitig enthält der von der Regierung vorgeschlagene Plan für die nachhaltige Entwicklung des Akamas-Nationalwaldparks keine Vorschläge für die Ausweisung von Naturschutzgebieten, Waldmonumenten und natürlichen Mikroreservaten. Auch das Forstgesetz und die forstpolitische Erklärung der Republik Zypern enthalten keine Bestimmungen für die Ausweisung von Wildnisgebieten sowie geschützten Land- und Meereslandschaften.

Nach dem breiten Widerstand der Öffentlichkeit wurde dieser Plan nicht umgesetzt, abgesehen von vereinzelten Fällen, die entweder nach weiteren Protesten rückgängig gemacht oder trotzdem durchgeführt wurden, insbesondere in der Region Akamas, die strafrechtlich nicht in den Natura-2000-Rahmen einbezogen ist. Nun wird jedoch ein neuer lokaler Plan ausgearbeitet, in dem bekanntlich auf umfangreiche touristische Erschließungen Bezug genommen wird, die weit von dem Rahmen für eine „sanfte Entwicklung“ entfernt sind, den das Innenministerium angeblich vorbereitet.

An dieser Stelle können wir uns nur auf fundierte Berichte oder Gerüchte berufen, da sich das Ministerium hartnäckig weigert, den Inhalt des lokalen Plans offenzulegen – und sogar behauptet, dass dies „möglicherweise illegal“ wäre -, obwohl die internationale Konvention von Aarhus, die von der Republik Zypern vor Jahrzehnten ratifiziert wurde, nichts dergleichen erwähnt.

Es gibt auch maßgebliche Berichte über Fälle, in denen das Ministerium den Inhalt des entworfenen lokalen Plans an Privatpersonen weitergegeben hat, die große finanzielle Interessen in dem Gebiet haben, während es dieses Recht Umweltorganisationen und -kollektiven verweigert.

DiEM25 schließt sich den Protesten an

Innerhalb von 10 Tagen fanden angesichts dieser Entwicklungen zwei große friedliche Demonstrationen in der Hauptstadt Nikosia und in Paphos statt, bei denen Hunderte von Demonstrant:innen – darunter auch DiEM25-Mitglieder – Slogans wie „Akamas gehört unseren Kindern“, „Wir wollen unsere Wälder“ und „Genug der Zerstörung“ skandierten.

Die „Zerstörung“ bezieht sich in diesem Fall auf die Wohnbebauung in gefährdeten Naturgebieten, die zum Einsturz von Meereshöhlen, zum Tod mindestens einer Robbe, zur Bebauung von Schildkrötenbrutstränden und zu zahlreichen (teilweise vorsätzlichen) Bränden geführt hat, die in den letzten sechs Jahren Tausende von Hektar reicher Flora und Fauna verbrannt haben.

Handeln Sie

Als Mitglieder von DiEM25 fordern wir den vollständigen Schutz nicht nur von Akamas, sondern von allen natürlichen Lebensräumen in Zypern. Diese Forderung steht nicht im Widerspruch zum Recht der Bewohner:innen der weiteren Gebiete auf einen angemessenen Lebensstandard und Chancengleichheit. Es ist an der Zeit, dass der Staat sowohl die Unversehrtheit unseres natürlichen Reichtums als auch die Bereitstellung von Infrastrukturen und die Förderung der Bewohner:innen der angrenzenden Gebiete sicherstellt, und zwar ohne wahltaktische oder spekulative Einflüsse von großen privaten Interessen und der Oligarchie der Insel.

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